Das Liebesleben der Seegurken

Seegurken mögen ja sehr nach Gurken aussehen, haben aber mit Gemüse absolut nichts zu tun. Obwohl sie hier in Asien als absolute Delikatesse gelten und als "Trepang" auf dem Tisch landen. Jedes chinesische Restaurant führt sie auf seiner Speisekarte, aber ich muss gestehen - ich kann mich beherrschen!

Tatsächlich gehören die Seegurken zur Familie der Echinodermata, zu denen auch die Seeigel und die Seesterne gehören. Die meisten Seegurken sind mit kleinen Füsschen, die über den ganzen Körper verteilt sind, ausgestattet, aber nur die an der Unterseite dienen zum Festhalten. Diese Ambukralfüsschen werden mittels Wasserdruck kontrolliert und bei Bedarf kann Wasser hineingepumpt oder abgelassen werden.
Um den Mundbereich gibt es zehn bis dreissig dieser Füsschen, die zur Nahrungsaufnahme modifiziert sind, und je nach "Seegurkenmodell" mehr oder weniger ausgeprägt sind. Mit diesen durchstreifen sie das Wasser und die in den Füsschen gefangenen Partikel werden zur Mundöffnung befördert. Einige Arten - wie zum Beispiel Leptosynapte - graben sich im Sand ein, fressen sich durch das Sediment, verdauen was verdaubar ist und scheiden den Rest wieder aus.

Auch Seegurken müssen atmen und dazu sind sie mit zwei verästelten Atemorganen ausgestattet, die beidseitig am Darmtrakt zu finden sind.
Einige Seegurken können als Verteidungswaffe gegen Feinde ihr ganzes Verdauungssystem (Cuvier'sche Schläuche) und die dazugehörigen Organe "auswerfen", wenn sie sich belästigt fühlen, oder auch wenn die Umgebungsbedingungen, wie zum Beispiel die Wasserqualität oder die Populationsdichte, nicht mehr stimmen. Diese Organe wachsen dann innerhalb von einigen Wochen nach und sind möglicherweise besser an die neuen Bedingungen angepasst.

Manche Arten von Seegurken dienen auch als Wohnraum für paratisäre Krabben, Garnelen oder Würmer. Eine besondere Beziehung besteht zu den Nadelfischen der Familie Carapidae. Diese findet man regelmässig in der Augen-Seewalze. Fast jedes dieser Tiere enthält einen schlanken, 5 bis 10 cm langen durchsichtigen Fisch in seiner Eingeweidehöhle, der sich da - durch den After - Schwanz voran - eingenistet hat und offensichtlich von Organteilchen seines Wirtes ernährt. Seegurken sind getrennt geschlechtlich, also männlich und weiblich, aber nur durch mikroskopische Untersuchung der Geschlechtsorgane können die Tiere zuverlässig unterschieden werden.
Schon im Herbst produzieren die Tiere Eier und Spermien, die dann im Frühjahr - oder je nach lokaler Paarungszeit, die meist mit der Planktonblüte zusammenfällt - ins Wasser abgegeben werden. Die Eier werden befruchtet, nach einem kurzen Larvenstadium, in dem die Tierchen leuchtend rot sind, lassen sie sich am Boden nieder und beginnen somit ihr Seegurkendasein.

Es ist leider sehr wenig über die juvenile Entwicklung der Seegurken bekannt. Ab dem Larvenstadium verstecken sie sich meist in Korallen oder Höhlen, da sie hier am sichersten vor Feinden oder dem Abgeerntet werden sind. Wir wissen aber nicht wie schnell sie wachsen oder wie alt genau sie werden. Es wird angenommen, dass sie über sieben Jahre alt werden können, die geschlechtliche Reife wird möglicherweise erst mit vier oder fünf Jahren erreicht, aber das sind eher Vermutungen als wissenschaftliche Behauptungen.

Bild: "Gräffe's Seegurke - eigentlich ist es ja "meine" Lieblingsseegurke, aber Herr Gräffe hat sie scheinbar früher als ich entdeckt und nach sich benannt". Evi

 

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