Anemonen - die Blumen des Meeres

Geographische und ökologische Verbreitung

Seeanemonen leben in allen Ozeanen der Welt, von den Polen bis zum Äquator und von den tiefsten Tiefen bis zu den Ufern, ebenso wie Fische. Aber keine Art von Ihnen lebt in allen Gebieten. Von ca. 1000 Arten von Seeanemonen sind nur 10 von Anemonenfischen bewohnt. Diese leben in verschiedenen Gebieten des Indischen und Pazifischen Ozeans, innerhalb der Tropen oder wo man warme ,tropische Gewässer, welche durch Strömungen verursacht werden findet, zum Beispiel an der Ostküste Japans (bis zu Tokyo's Breitengrad!). Da die 28 Arten von Clownfischen nur innerhalb dieser 10 Arten von Seeanemonen leben, findet man diese auch nur dort.
Diese Anemonen und ihre Anemonenfische existieren nur in flachen Gewässern, nicht tiefer als Tauchtiefen. Der Grund dafür liegt innerhalb der Zellen der Anemonententakel und Oralenscheiben: die darin lebenden lebenden mikroskopisch kleinen, einzelligen, golden-braunen Algen (Dinoflagellaten) namens "Zooxanthellae". Wie alle Pflanzen benötigen auch diese Sonnenlicht zur Photosynthese, ein Prozess bei welchem Solarenergie benutzt wird, um Carbon und Wasser in Zucker umzuwandeln. Einige dieser Zucker werden als Brennstoff für den Algenmetabolismus verbraucht, aber die meisten sickern durch die Anemone hindurch und führen ihr Energie zu. Aus diesem Grunde müssen die Gastgeber der Clownfische an sonnigen Plätzen leben. Der Anteil des Lichtes verschwindet rasch mit zunehmender Tiefe, weil das Wasser das Sonnenlicht herausfiltert. Deshalb leben diese Anemonen in Tiefen nicht mehr als 50m, generell in klarem Wasser. (Riff-formende Korallen besitzen ebenfalls Algen, aus diesem Grund kommen Korallenriffe ebenfalls nur in flachen, klaren Gewässern vor.)
Anemonen leben ausser in Riffen auch noch in anderen Habitaten, werden aber als Riffbewohner angesehen. Andere Habitate mögen weniger farbenfroh und vielfältig sein, sind aber trotzdem gleich faszinierend. Beinahe genau so viele Arten Seeanemonen bewohnen sandige Flächen, welche das Riff umgeben, wie auf dem Riff selber leben. Einzelgänger dieser Arten können auch in schlammigen Gebieten überleben, jedoch fehlt generell der Fischbestand. Auch an Riffen sind die meisten Seeanemonen unauffällig, im Gegensatz zu ihren Partnerfischen. Der beste Weg, einen Seeanemone zu finden, ist indem man den Fisch zuerst sieht, der sich dann aus Furcht in seiner Anemone versteckt, oder besser noch auf sein regelmässiges Bad zwischen den Tentakeln der Anemone wartet.

Wie ist dieses Verhältnis möglich?
Zur Zeit von Collinwood's Entdeckung waren schon einige Arten von Fischen und Anemonen und deren Verhältnis zueinander, der Wissenschaft für Jahrhunderte bekannt. Warum hatte niemand über deren Lebensgemeinschaft schon eher berichtet? Wir können nur spekulieren. Vielleicht wurden Gifte benutzt um diese Fische zu sammeln, welches sie zur Oberfläche auftrieb, und daher niemand feststellen konnte, woher sie kamen. Vielleicht wussten auch Sammler die in Anemonen lebenden Fische nicht zu schätzen. Es besteht aber ebenso die Möglichkeit, dass man das Ganze schon sah, aber es einfach unglaublich war, dass Anemonen ein Heim für Fische darstellen konnten.
Seeanemonen sind verwandt mit Korallen, und entfernte Verwandte von Quallen. Alle haben eins gemeisam: Die Nematozysten, harpunenartige, stechende Kapseln, welche der Qualle den Stich, Feuerkorallen die Verbrennung, und den Seeanemonen ihre Klebrigkeit geben. Die mikroskopischen Nematozysten, welche in den Zellen produziert werden (die selber aber keine sind) , sind besonders dicht innerhalb der Tentakeln und inneren Strukturen. Interne Nematozysten sind für die Verdauung notwendig. Innerhalb einer Kapsel liegt eine feine Röhrenspirale, welche um das vielfache länger ist als die Kapsel selber. Wird diese Kapsel angeregt zum "Feuern" (eine Kombination aus insgesamt über 30 chemischen und Stimulationen ist notwendig um, die meisten anzuregen), um einzudringen oder die Zielscheibe zu umwickeln, so geschieht dieses, indem die Tube herausschiesst, genauso wie bei einem Hemdsärmel, den man umstülpt. Viele dieser Nematozysten, aber wahrscheinlich nicht alle, besitzen ein Gift, welches an ihre Feinde und Beute abgesondert wird.
Die Existenz und Funktion von Nematozysten war schon bekannt, bevor noch die Anemonenfisch-Symbiose beschrieben wurde. Nachdem Colingwood zuerst verkündete: "Die Entdeckung von einigen Seeanemonen von enormer Grösse und Habitaten nicht weniger atemberaubend", war seine erste Aufgabe herauszufinden, weshalb diese Fische in einer Umgebung, die für die meisten Fische tödlich ist, überleben können.
Über die Jahre hinweg, haben Biologen Vermutungen angestellt, warum es möglich ist, für diese Fische in dieser rauhen Umgebung zu überleben. Folgende Hypothesen (und Gründe, warum diese umstritten waren) wurden unter anderem angestellt:
1) Tentakel dieser bestimmten Anemonen besitzen keine Nematozysten. (Nicht nur, dass sie sehr wohl Nematozysten haben, sind sie auch , wie die in den 10 Arten von Gastanemonen vorkommenden, typisch in Art und Anzahl für die Mehrzahl von Seeanemonen.)
2) Fische berühren die Tentakel nicht wirklich. (Während das für die meisten karibischen Fische, welche Unterschlupf hinter und unter Seeanemonen suchen zutrifft, so gilt das nicht für die wahren Anemonenfische, die zwischen den Tentakeln schwimmen, und nachts auf der Oralscheibe schlafen).
3) Die Haut der Anemonenfische ist dicker als normal, so dass die Nematozysten nicht eindringen können. (Der Unterschied zur Haut anderer Damselfischen ist sehr gering, und möglicherweise sogar noch etwas dünner. Es besteht die Möglichkeit, dass ein ungeschützter Anemonenfisch durch den Stich seines Gastgebers getötet werden kann).
4) Die Anemone feuert ihre Nematozysten nicht, sollte ein Fisch in der Nähe sein. (Auch wenn eine Seeanemone Kontrolle über ihre Feuerung hätte, so kann das nicht die Lösung des Rätsels sein, weil ein Seeanemone auch während des Aufenthalts eines Clownfisches stechen und Beute einfangen kann).

Anemonenfische sind sehr einfach in einem Aquarium zu halten, viele dieser
Behausungen sind durchaus grösser als der natürliche Lebensraum selber. Fische und Seeanemonen überleben - und das scheinbar sehr gut - sollten sie voneinander getrennt sein. Ist die Trennung jedoch mehr als ein paar Tage oder Wochen (je nach Art), und werden die Partner wieder vereinigt, zieht sich der Fisch, der durch durch die Tentakeln schwimmt, rasch wieder zurück (manchmal sehr offensichtlich, manchmal weniger), und es hat den Anschein, als wäre er gestochen worden. Der Schutz muss verdient und kann genauso verloren werden. Ein Fisch, der lange Zeit alleine lebt, wird von einer Anemone, in welcher andere Clownfische leben, gestochen werden. Folglich ist der Fisch selber verantwortlich für seine Sicherheit und nicht die Seeanemone.
Jedoch kehrt der gestochene Fisch immer wieder zu seinem potentiellen Gastgeber zurück und vollzieht ausgiebige "Tänze", und berührt diesen behutsam erst mit seiner Flosse, danach mit dem ganzen Bauch. Nach einigen Minuten bis zu mehreren Stunden eines solchen Verhaltens, kann er wieder in die Tentakeln der Seeanemone eintauchen.
Manche Anemonefische knabbern an den Tentakeln des Gastgebers, und es wird vermutet, dass sie dadurch immun gegen den Stich werden, was jedoch nicht der Fall ist. Immunität ist ein physiologisches Verhalten, das sich durch den Körper des Tieres verteilt. Experimente von Davenport und Norris haben gezeigt, das ein schützender Bestandteil in der Schleimschicht auf der Haut, bei Anemonenfischen , sowohl als auch allen anderen Fischen, vorhanden ist. Aber wo ist der Ursprung dieses Schleimschutzes?
Eine Theorie besagt, dass sie vom Gastgeber selber kommt. Vertreter dieser Meinung glauben, dass sich der Fisch während des "Tanzens" mit dem Schleim der Anemone bedeckt. Genau wie sich die Seeanemone nicht selber sticht, so wird sie auch keinen Fisch oder ein anderes Objekt, welches diesen Schleim besitzt, stechen. Der Fisch ist somit chemisch getarnt, mit anderen Worten: Ein Fisch in Anemonenkleidung. Das Verhalten, dass der Fisch wenigstens einmal in der Minute zu seiner Anemone zurückkehrt, kann so ausgelegt werden , dass er seine Schutzschicht immer wieder erneuert und aufbaut.
Das Geheimnis dieses seltsamen Habitats der Clownfische liegt wahrscheinlich in deren ungewöhnlicher Biochemie.
Obwohl Anemonenfische sehr nahe verwandt sind und einen ungewöhnlichen Lebensraum teilen, so gibt es dennoch Unterschiede im Bezug auf ihre Biologie, inklusive wie weit sie von zu Hause ausschwärmen, wie viele Fische eine einzige Anemone bewohnen und welche Gastgeber und Gastgeberarten sie bevorzugen. Nicht alle passen sich in der gleichen Art und Weise einer Seeanemone an, wobei Verhalten und Biochemie zu verschiedenen Graden eine Rolle spielen. Wir nehmen an, dass bei Fischen, welche viele verschiedene Gastgeber haben, Verhalten wichtiger ist zur Anpassung, als bei solchen, die nur einen Gastgeber haben, und hier Biochemie an erster Stelle liegt.

Ernährung

Seeanemonen, welche als Gastgeber für Clownfische dienen, genau wie viele andere tropische Arten, beinhalten einzellige Algen innerhalb der Zellen ihrer Tentakel und Oralen Scheiben. Ein Teil des Zuckers, welcher durch Photosynthese von diesen Pflanzen erzeugt wird, sickert zu ihrem Gastgeber weiter, wahrscheinlich der grösste Bestandanteil der Energiezufuhr. Die weitausgebretiete Oralscheibe der vielen Gastgeberseeanemonen dient nicht nur als Behausung für Fische, ihre grosse Oberfläche ist auch dazu geeignet Sonnenlicht einzufangen.
Seeanemonen fangen und verdauen jedoch auch Beute mit Hilfe ihrer Nematozysen. Man hat kleinere Fische, Seeigel und eine Vielzahl von Krustentieren (Shrimps und Krebse) in den Innereien der Gastgeberanemonen gefunden. Es hat ebenso den Anschein als ernährten sie sich von Plankton, welches von der Strömung zugetragen wird. Obwohl die Energie, welche sie durch Photosynthese erhalten, ausreicht um zu überleben, so benötigen Anemonen zusätzlich Sulfat, Stickstoff und andere Elemente zum Wachstum und zur Vermehrung. Diese Tiere sind keine gefährlichen Räuber, ihre Beute besteht hauptsächlich aus Lebewesen, die in sie hineinschwimmen (z.B. fliehende Fische) oder einfach nur darüber "stolpern" (z.B. Seeigel, sie besitzen keine Augen). Folglich sind die Mahlzeiten klein und unregelmässig. Eine verlässlichere Nahrungszufuhr besteht aus den Abfallstoffen ihrer Partnerfische. Einige Arten von Anemonen sind auch in der Lage, durch ihr dünnes Gewebe Nahrung direkt aus dem Wasser aufzunehmen, und das könnte ein anderer Bestandteil ihrer Ernährung sein.

Überleben

Es ist unmöglich das Alter einer Seeanemone zu bestimmen, mit Ausnahme von denen, die in einem Aquarium aufgewachsen sind oder ständig in der Wildniss beobachtet wurden. Eine kleine Anemone ist nicht unbedingt jung, da sie nur bei guter Ernährung wachsen und bei Hunger schrumpfen.
Einzelgänger von Arten, welche auch von Anemonefischen bewohnt werden, wurden für mehrere Jahre beobachtet, ohne ersichtlicher Änderung in Grösse (obwohl dieses durch ein fehlendes Skelett nur schwer zu erkennen ist). Jedoch Studien an anderen Arten haben bewiesen, dass man das ungefähre Alter schätzen kann. Es gibt vereinzelte Berichte von Anemonen welche Jahrzehnte in einem Aquarium überlebt haben und die Lebensdauer einer kleinen Seeanemone in Neuseeland, wurde auf Grund spezieller Tabellen auf 300 Jahre geschätzt!
An Hand dieser Daten ist es sehr wahrscheinlich, dass die meisten "gigantischen" Seeanemonen, die während Forschungen gefunden wurden, über ein Jahrhundert alt werden. Das stimmt überein mit der Feststellung, dass die meisten grossen Tiere, egal welcher Art, eine hohe Lebenserwartung haben.
Coelenterates sind sehr gut durch ihre Nematozysten geschützt, jedoch haben einige Räuber die Fähigkeit entwickelt, immun dagegen zu sein. Kleinere tropische Anemonen werden von Butterflyfischen gefressen, grössere scheinen jedoch nur wenige Feinde zu haben, und wir wissen nicht was sie letztendlich sterben lässt oder tötet.TOP

Fortpflanzung

Seeanemonen pflanzen sich sexuell fort. Einzelgänger einiger Arten können Eier und Spermen erzeugen, Gastgeberanemonen scheinen getrennte Geschlechter zu besitzen, wobei eine ihr ganzes Leben lang Weibchen und das andere Männchen ist. Das typische Schema ist wie bei den meisten Marinetieren. Diejenigen, welche immer in Angst und Unsicherheit leben - sondern Eier und Sperma ins Wasser ab, wonach die Befruchtung stattfindet und eine Larve entwickelt sich für mehrere Tage oder Wochen in einer geigneten Umgebung. Viele Arten reagieren auf natürliche Ereignisse wie z.B. Vollmond oder Ebbe, so dass Eier und Sperma immer zur gleichen Zeit am gleichen Platz sind. Normalerweise produzieren Meerestiere Millionen von kleinen Larven, trotzdem ist das Meer aber nicht überfüllt, da nur einige wenige überleben, meistens nur genügend, um eine eine feste Population zu bilden. Der Rest der Larven dient als Nahrung für ein Meer voller potentialer Jäger.
Wir wissen nicht, ob Gastgeberanemonen auch diesem Schema folgen. Es besteht ein Hinweis, dass wenigstens in einigen Arten die Eier nicht abgesondert, sondern im Muttertier befruchtet werden, wo sie wachsen und danach als kleine Seeanemonen ausgeschieden werden. Das ist nicht selten bei Korallen und Anemonen, Sperma dringt durch ständigen Wasserzufluss, der ausserdem auch für Nahrung und Sauerstoff sorgt, ein. Fest steht, dass nur selten kleine Einzelgänger der meisten Gastgeberanemonen in der Natur zu sehen sind. Es ist jedoch nicht ungewöhnlich, grössere mit reifen Eiern und Sperma zu finden. Wir glauben, dass eine erfolgreiche Vermehrung rar ist. Nur einige Eier werden befruchtet, oder nur einige Larven überleben, so dass die Niederlassung der Larven problematisch bist, möglicherweise auch durch eine hohe Sterbensrate (wahrscheinlich besonders, wenn Anemonen zu klein sind, um Fische zu behausen). Die scheinbare Seltenheit einer erfolgreichen Fortpflanzung stimmt deshalb mit der biologischen langen Lebenserwartung überein.
Einige Seeanemonen unterliegen neben einer sexuellen Fortpflanzung auch einer asexuellen. Ein Polyp kann sich in einem Zeitraum von mehreren Tagen der Länge nach in zwei etwas kleinere teilen. Jeder wächst danach zur normalen Grösse heran, teilt sich wieder, usw. Alle Abkömmlinge der ursprünglichen Anemone (das Resultat sexueller Fortpflanzung) bilden einen Clone, eine Gruppe von genetisch identischen Einzelexemplaren. In diesen Arten ist der Polyp verhältnismässig klein. Jedoch bleiben alle "Clonemates" nah zusammen, so dass ihre Tentakel eine Einheit formen, und Anemonefische sie scheinbar als eine einzige grosse Anemone ansehen.
Dieses gilt hauptsächlich für Flachwasserbewohner, diejenigen in tieferen Gewässern werden grösser und teilen sich nicht. Mehrere andere Arten von Seeanemonen pflanzen sich auf beide Aren fort: kleinere Tiere klonen, grössere nicht.

Fortbewegung

Haben sie sich einmal nach ihrem Planktonstadium irgendwo angesiedelt, so wandern Anemonen selten von Ort zu Ort. Obwohl sie meistens verletzt werden, wenn sie von Leuten eingesammelt werden, so haben sie doch die Fähigkeit sich von ihrem Untergrund teilweise oder auch ganz zu trennen. Kleinere Arten können das z.B. tun, um sich vor Räubern oder physikalischen Einflüssen zu schützen. Tatsächlich können einige von ihnen auch "schwimmen", indem sie sich etwas seltsam ins Wasser absetzen, was sie normalerweise aus der Nähe des Räubers bringt. Typischer ist jedoch, dass Anemonen sich auf einer blattähnlichen Scheibe fortbewegen, lediglich ein paar Millimeter pro Tag. Wenn sie sich ganz von ihrem Untergrund trennen, rollen sie sich ein und lassen sich von der Strömung wegtragen.

 

 

 

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